CBD und CED - chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Seit Jahrtausenden wird Cannabis gegen Darmerkrankungen eingesetzt und mittlerweile nehmen auch Forscher an, dass die Cannabinoide (CBD) aus der Hanfpflanze Potenzial besitzt, positiv auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen zu wirken.


In den USA und Kanada wurden Patienten mit Colitis ulcerosa und Morbus Crohn befragt, die CBD gegen ihre Beschwerden konsumierten. Diese beschrieben mehrheitlich, dass es ihnen gegen Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Übelkeit und Durchfall half.

Für diese Wirkung sind die Cannabinoide (CBD)  der Hanfpflanze, u.a. das nicht-psychoaktive Cannabidiol (CBD) verantwortlich.

Was ist Morbus Crohn?

Morbus Crohn wird auch als Crohn-Krankheit oder Ileitis terminalis bezeichnet. „Morbus“ ist das lateinische Wort für „Krankheit“. Es handelt sich um eine chronische Entzündung im Darm. Alle Abschnitte des Darms und andere Organe wie Speiseröhre können sich entzünden. Zudem können durch die Crohn-Krankheit verursachte Entzündungen gleichzeitig in mehreren Darmabschnitten auftreten, die durch kleinere oder größere Darmabschnitte voneinander getrennt sind.

Am häufigsten zeigen sich Entzündungen in den folgenden Bereichen:

  • Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm (in etwa 45 Prozent)

  • Dickdarm und Analkanal (25 Prozent)

  • unterer Dünndarmabschnitt (25 Prozent)

  • andere Darmabschnitte (5 Prozent)


Was sind die Ursachen?

Die genauen Ursachen von Morbus Crohn sind unklar.

Über die Entstehung der chronisch-entzündlichen Erkrankung ist wenig bekannt. Die Ursachen sind bis heute nicht geklärt. Vermutlich kommen viele Faktoren als Auslöser infrage. Da die Krankheit in einigen Familien gehäuft auftritt, wird angenommen, dass die erbliche Veranlagung eine Rolle spielt.

Unterstützt wird diese Annahme durch die Tatsache, dass bei ungefähr der Hälfte aller Morbus Crohn-Erkrankten Veränderungen an der Erbanlage (Mutation am Gen NOD2/CARD15) festgestellt werden können. Ebenso sind weitere Gene bekannt, die mit dem Risiko für eine Darmentzündung verbunden sind. Alle diese Gene beeinflussen die Darmflora, die als wichtiger Auslöser für Morbus Crohn gilt.

Verantwortlich für die Entstehung von Morbus Crohn ist eine gestörte Barrierefunktion der Darmschleimhaut. Diese Barriere hindert in der Regel Bakterien daran, in die Darmwand eindringen. Wenn die Bakterien hingegen diese Darmbarriere überwinden können, entsteht in der Darmwand in eine Immunreaktion, da der Körper die Bakterien als Krankheitserreger eingestuft, obwohl sie keine krankmachenden Bakterien sind. Infolge dessen werden im Körper unterschiedliche Entzündungszellen aktiviert, wodurch die Darmentzündung entsteht.

Es wird davon ausgegangen, dass neben den Erbfaktoren auch die folgenden Einflüsse einen Morbus Crohn mitverursachen:

  • Zusammensetzung der Darmflora

  • Ernährungsweise

  • Rauchen

  • vielfache antibiotische Behandlung in der Jugend

Beispielsweise können auch Stress oder seelische Belastungen Schübe auslösen oder sogar einen aktuellen Schub noch verstärken.

Morbus Crohn: Symptome

Die Symptome der Crohn Krankheit treten sich in Form von Durchfall auf, der mit krampfartigen Schmerzen im rechten Unterbauch einhergeht. Blut oder Schleim ist dem Stuhl nur selten beigemengt. Weitere Beschwerden können Fieber, Anämie (Verminderung des roten Blutfarbstoffs) und Leukozytose (Anstieg der weißen Blutkörperchen) sein.

Durch die häufigen schweren Schübe verspüren Morbus-Crohn-Patienten oft ein allgemeines Krankheitsgefühl. Hinzu kommen Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit. Auch eine Gewichtsabnahme ist typisch die Krankheit.

Bei rund 40 Prozent der Erkrankten treten je nach Krankheitsverlauf und -aktivität weitere Beschwerden auf wie Gelenkbeschwerden, Nierensteine, Augenentzündungen, Hautirritationen oder Osteoporose. Viele Betroffene entwickeln aufgrund der belastenden Erkrankung auch Depressionen.

Diagnose, Krankheitsverlauf und Komplikationen

Bei entzündlichen Erkrankungen erfolgt meist keine Stuhluntersuchung oder Ultraschall-Untersuchung, sondern direkt eine Darmspiegelung (Endoskopie). Hier wird dann auch eine Gewebeprobe entnommen. Um die Entzündungswerte zu prüfen, erfolgt eine Blutuntersuchung.

Der Krankheitsverlauf der chronischen Erkrankung verläuft in Schüben. In einigen Fällen sind auch operative Eingriffe und die Legung eines künstlichen Darmausgangs notwendig.  Eine Heilung ist ausgeschlossen.


Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen:

  • Bei etwa 30 bis 50 Prozent der Crohn Erkrankten bilden sich innere oder äußere Fisteln, die sehr schlecht heilen und immer wieder auftreten können. Schmerzen verursacht eine Fistel in aller Regel nicht. Anzeichen einer solchen Fistel Bildung sind beispielsweise Stuhl im Urin oder Stuhlabgänge über die Scheide.

  • Bei etwa 20 Prozent der Crohn Erkrankten bilden sich Abszesse im Analbereich, die äußerst schmerzhaft sein können.

  • Im Darm können sich Narben oder Schwellungen infolge der Entzündungen bilden, die zu einem Darmverschluss führen können. Möglich ist auch ein Darmdurchbruch. Hier besteht Lebensgefahr!

  • Ein Konglomerattumor (Geschwulstbildung) bildet sich, wenn die entzündeten Darmschlingen miteinander verkleben. Häufig ist das gutartige Geschwulst auf der Bauchdecke tastbar.


Behandlung und Therapie

Ziel der Therapie ist es, die Beschwerden zu lindern, die Häufigkeit der Schübe zu verringern, Komplikationen zu vermeiden und Operationen so weit wie möglich hinauszuschieben. Neben einer Ernährungsumstellung auf leicht verdauliche Kost kommt auch eine medikamentöse Therapie zum Einsatz.

Alle diese Arzneimittel haben unerwünschte Nebenwirkungen. Diese können die Crohn Erkrankten zusätzlich belasten.


Colitis ulcerosa gehört ebenfalls zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Was ist Colitis ulcerosa?

Hier ist in erster Linie der untere Darmabschnitt des Dickdarms (Mastdarm) betroffen. Nur in seltenen Fällen entzündet sich der letzte Abschnitt des Dünndarms (terminales Ileum). Dafür kann sich die Entzündung im Dickdarm unterschiedlich weit ausbreiten. In einigen Fällen ist sogar der gesamte Dickdarm entzündet (Pankolitis). Auch hier können genetische und umwelttechnische Einflüsse als auch Ernährungsgewohnheiten bei der Entstehung eine Rolle spielen.

Gleiches gilt für die gestörte Darmflora, wobei bei einigen Erkrankten beobachtet wurde, dass die Darmschleimhaut sehr dünn ist. Damit ist die Abwehrfunktion gestört und die Bakterien können leichter in die Schleimhaut eindringen. Das Immunsystem reagiert dann mit entzündlichen Prozessen.

Colitis ulcerosa: Symptome

Typische Beschwerden sind Schmerzen, die vor oder auch nach dem Stuhlabgang (Tenesmen) auftreten sowie mehrmalige Stuhlgänge am Tag (bis zu 30 Stuhlgänge). Zusätzlich können Müdigkeit, körperliche Schwäche, Appetitlosigkeit, Fieber, Gewichtsverlust sowie das Gefühl, aufgebläht zu sein, auftreten. Bei einem akuten Schub findet sich auch Blut und Schleim im Stuhl, sodass sich eine Blutarmut und/oder ein Eisenmangel entwickelt.

In einigen Fällen löst die Darmerkrankung auch entzündliche Prozesse Entzündungen in anderen Körperbereichen wie den Gelenken, Augen, Haut und die Leber auf (extraintestinale Manifestationen).

Diagnose und Krankheitsverlauf

Hier erfolgt eine Darmspiegelung und die Entnahme einer Gewebeprobe. Der genaue Krankheitsverlauf ist nicht vorhersehbar. Während einige Patienten nur wenige Schübe erleiden, haben andere Patienten mit wesentlich mehr Schüben zu kämpfen oder der Darm ist sogar dauerhaft entzündet.

Je nachdem wie weit sich die Entzündung im Darm ausbreitet, können unterschiedliche Komplikationen auftreten:

  • Infolge einer stark entzündeten Darmwand wird der Darm stark gedehnt (toxisches Megakolon). Hier besteht die Gefahr eines Darmdurchbruchs (Perforation), weshalb eine sofortige Operation notwendig ist. Es handelt sich hierbei um eine lebensgefährliche Komplikation!

  • Infolge eines toxischen Megakolons können starke Darmblutungen auftreten, die in manchen Fällen eine Bluttransfusion erforderlich machen. Die Entfernung eines entzündeten Darmabschnitts ist nur selten notwendig.

  • Im Darm können durch die Entzündungsprozesse Narben entstehen, die zu einer Verengung des betroffenen Abschnitts führen kann, was mit starken kolikartigen Schmerzen einhergeht. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem lebensgefährlichen Darmverschluss.

  • Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, ist deutlich erhöht. Erkrankte sollten deshalb in regelmäßigen Abständen zur Darmspiegelung gehen, damit Veränderungen im Darm rechtzeitig erkannt werden können.


Behandlung und Therapie

Das Therapieziel ist die Linderung der Symptome, die Entzündungsprozesse einzudämmen, Schübe hinauszuzögern und Komplikationen zu verhindern. Hilfreich kann hier unter anderem eine ausgewogene Vollwertkost sein.

Eine medikamentöse Behandlung mit entzündungshemmenden Präparaten ist das wichtigste Element der Behandlung. Hier kommen Medikamente wie Aminosalicylate, Kortisonpräparate, Biologika und Immunsuppressiva zum Einsatz, die nicht ohne Nebenwirkungen sind.

Es hat sich herausgestellt, dass viele Patienten einen Schub mithilfe von speziellen Bakterien vorbeugen können. Empfohlen werden hier Escherichia coli Bakterien mit dem Stamm Nissle 1917. Ein akuter Schub kann damit aber nicht behandelt werden.


Studien legen nahe, dass Cannabis eine Behandlungsoption sein könnte.

CBD bei chronischen Darmerkrankungen:

Es konnte bereits in Studien gezeigt werden, dass Entzündungsprozesse vom (körpereigenen) Endocannabinoid System gesteuert werden. Da sich im gesamten Verdauungstrakt Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 befinden, wird angenommen, dass CBD diese aktivieren und somit entzündungshemmend wirken. Forscher der britischen University of Bath gehen davon aus, dass gerade der CB1-Rezeptor hier eine wichtige Rolle spielt.

Die Aktivierung des CB1-Rezeptors scheint Durchfallsymptome lindern zu können. Vermutlich erfolgt die Hemmung der Neurotransmitter Acetylcholin aus dem peripheren Nervensystem. Bekannt ist, dass Acetylcholin die Darmtätigkeit anregt.

Darüber hinaus ist CBD möglicherweise in der Lage, Schmerzen, die im Rahmen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auftreten, zu lindern, indem es als entzündungshemmender Stoff wirkt und die Spasmen des Darms sowie die Flüssigkeitsausscheidung reduziert. Hinweise liefert eine Studie aus Kalifornien.

Im Jahr 2016 untersuchten Forscher der University of Naples Federico II in Italien an Mausmodellen die Wirkung eines standardisierten Cannabis-Sativa-Extraktes mit einem hohen Gehalt des nicht-psychoaktiven Cannabinoids CBD. Bei den Versuchsmäusen wurde eine Colitis ulcerosa mithilfe von Dinitrobenzolsulfonsäure (DNBS) indiziert. Zusammenfassend erklärten die Forscher im Rahmen ihrer Studie, dass die Entzündungen im Darm durch das CBD abgeschwächt werden konnten.

Viele aktuellen Studien lassen den Schluss zu, dass sich Cannabinoide möglicherweise zur Behandlung der Beschwerden im Rahmen entzündlicher Darmerkrankungen eignen. Noch fehlt es jedoch an klinischen Forschungen mit einer größeren Anzahl an Probanden, um die Wirksamkeit von Cannabis vollständig zu bestätigen. Dennoch machen die aktuellen Studienergebnisse Mut.

Biologischer Mechanismus gefunden, wie medizinisches Cannabis hilft.

Was könnte die therapeutische Wirkung von Cannabis als Medizin erklären? Zum ersten Mal ist es Forschern gelungen, den biologischen Mechanismus zu finden, wie Cannabis bei CED (chronisch entzündlichen Darmerkrankungen) die Entzündungsprozesse lindert.

Beth A. McCormick, stellvertretende Vorsitzende und Professorin für Mikrobiologie und physiologische Systeme an der Medizinischen Fakultät der University of Massachusetts in Worcester, USA, hat das Wissenschaftler-Team im Rahmen der neuen Studie geleitet.

Ist der Körper mit einem Krankheitserreger infiziert, reagiert er mit der vermehrten Produktion von Neutrophilen. Neutrophile sind Immunzellen, eine Art weißer Blutkörperchen, die zur Bekämpfung von Bakterien dienen. Wenn die Immunzellen jedoch unverhältnismäßig stark reagieren, können sie das Epithel zerstören. Das ist die Schutzschicht der Zellen, die das Innere des Darms auskleidet.

Um die Überreaktion der Immunzellen zu stoppen, werden spezielle Moleküle entsendet und durch das Epithel transportiert, um die Entzündung zu stoppen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass dieser Prozess endogene Cannabinoide (Endocannabinoide) benötigt, die natürlicherweise von unseren Körpern produziert werden. Diese Endocannabinoide haben eine ähnliche Wirkung wie die Cannabinoide im Cannabis.

Experimente an Mäusen und menschlichen Zelllinien zeigten dem Forscher-Team: Wenn Endocannabinoide fehlen oder nur unzureichend vorhanden sind, kann der Körper den Entzündungsprozess nicht mehr kontrollieren. Das führt dazu, dass die Neutrophilen die schützende Darmschicht zerstören.

Die Wissenschaftler glauben, dass Cannabis die natürlichen Cannabinoide ersetzt und die gleiche entzündungshemmende Wirkung wie Endocannabinoide hervorruft.

Quelle: leafly.de

 

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